German Story 9 Biologie-Referat
from Schrat
Es war ein schöner, warmer Sommertag. Jonas und Sonja waren verabredet, um in der nahen Kiesgrube für ein Biologie-Referat ein paar Pflanzen zu sammeln. Jonas fuhr pünktlich um halb drei mit seinem Fahrrad bei Sonja vor. Sonja wartete schon auf ihn und saß auf den Stufen vor ihrer Haustür. Sie hatte lange blonde Haare und eine anmutige Figur. An diesem Tag trug sie ein leichtes Sommerkleid und - bis auf einen Slip, nichts weiter.
"Hallo Sonja!", grüßte Jonas, "Bist Du fertig?". "Ja sicher!", antwortet Sonja. Sie packte ihre Sammelutensilien (Einmachglas, Köcher, etc.) zusammen und ging zu ihrem Fahrrad. Gerade, als sie aufsteigen wollte, deutete Jonas auf ihre zarten bloßen Füße und sagte: "Hast Du keine Schuhe an?". "Wozu?", fragte Sonja, "Es ist doch so warm heute!". "Aber wenn wir gleich in den Teich in der Kiesgrube steigen, könntest Du Dich an spitzen Steinen und Brombeerranken verletzen", entgegnete Jonas. "Nimm Dir lieber ein Paar Schuhe mit. Am besten welche, denen es nichts ausmacht, wenn sie nass werden".
Sonja konnte seinen Einwand nachvollziehen und ging zurück ins Haus. In der Diele standen ihre Sommerschuhe. Eigentlich waren diese alle irgendwie wasserfest. Aber, welche sollte sie anziehen? Die neuen Segelschuhe aus Leinen? Nein! Die waren viel zu schade. Oder die billigen Badelatschen? Nein! Denn dann könnte Sie ja gleich barfuss bleiben. Plötzlich hatte sie eine Idee.
Sonja öffnete die Tür zum Keller und lief hinunter in die Waschküche. Dort standen die verschiedensten Gummistiefel! Irgendwie hatte man in ihrer Familie immer ein neues Paar dazu gestellt und vergessen, das alte wegzuwerfen. Sonja betrachtete die Stiefel und überlegte. Seit ihrer Kindheit, sie war jetzt 18, hatte sie keine Gummistiefel mehr getragen. Und dass sie jemals barfuss in Gummistiefeln gegangen war, daran konnte sie sich überhaupt nicht erinnern. Sonja wusste nicht warum, aber irgendwie erregte sie die Vorstellung, gleich mit nackten Füßen in ein Paar Gummistiefel zu steigen. "Am besten, ich probiere ein paar durch", sagte sie zu sich selbst.
Dann betrachtete sie die Stiefel, die alle in Reih und Glied standen, noch einmal und griff sich ein Paar gelbe Seglerstiefel. Die Stiefel hatten die richtige Größe und so schlüpfte sie mühelos hinein. Wegen des weichen Baumwollfutters fühlten sich die Stiefel an ihren Füßen fast so an, wie die Turnschuhe, in denen sie so gerne barfuss lief. Das gefiel Sonja sehr. Sie bewegte ihre Zehen ein wenig um die Größe der Stiefel nochmals zu prüfen. Da spürte sie plötzlich etwas merkwürdiges an ihrem rechten großen Zeh. Als sie sich den Stiefel näher betrachtete, entdeckte sie einen großen Riss an der Seite, durch den die rosige Haut ihres Fußes schimmerte. Das war wohl nichts! Enttäuscht zog sie sich die Gummistiefel von den Füßen. Dann nahm sie sich ein grünes Paar 08/15-Stiefel, wie man sie in jedem Baumarkt oder Gartencenter bekommt. Erwartungsvoll schlüpfte Sonja hinein, aber diese Stiefel gefielen ihr nicht. Wegen des billigen Plastikmaterials waren sie nicht so anschmiegsam und außerdem war das Innenfutter mehr als dürftig. Das wollte sie ihren empfindlichen Füßen nicht zumuten. Sie streifte die Stiefel ab und sah sich die Reihe nochmals an. Dann entdeckte sie ein Paar blaue Stiefel mit gelber Sohle und gelber Stulpe. Innen waren die Stiefel mit weißer, weicher Baumwolle beflockt. Und: sie waren noch nie getragen worden. Sonja erinnerte sich, dass sie die Stiefel von ihren Eltern im vorletzten Sommer für den Urlaub an der Nordsee bekommen hatte. Aber damals hatte sie die Stiefel - nicht ganz unabsichtlich - zu Hause vergessen. Ob sie ihr noch passen würden? Sonja nahm die Stiefel und ihre zarten Füße glitten sanft in die Stiefel. Die Stiefel passten wie maßgefertigt! Und das weiche Futter schmeichelte unter ihren Fußsohlen! Welch eine Wonne! Dass sie sich dieses Vergnügen nicht schon vorher gegönnt hatte! Hastig zog sie die Stiefel wieder aus. Denn sie wollte sich selbst bis zur Kiesgrube ein wenig hinhalten, um das Erlebnis nachher zu steigern.
Sie trug die Stiefel nach oben, wo Jonas schon ungeduldig auf sie wartete. Erst jetzt entdeckte sie, dass Jonas neben den braunen Birkenstock-Sandalen an seinen nackten Füßen auch ein Paar blaue Seglerstiefel dabei hatte. "Gummistiefel!", sagte Jonas erfreut "genau meine Meinung! Die schützen die Füße und können ruhig mal nass werden". Jetzt wurde es aber Zeit! Die beiden radelten zur Kiesgrube. Dort angekommen, wollten sie ihre Fahrräder bis an den Rand des Tümpels schieben, um nicht die ganze Ausrüstung schleppen zu müssen. Von dem Feldweg, der an der Kiesgrube entlang führte, ging ein schmaler Weg steil abwärts hinunter zu der Grube. In der Mitte der Kiesgrube befand sich der Tümpel. Darum herum war nichts außer Steinen, Unkraut und Erde in den verschiedensten Konsistenzen. Von cremig weichem Schlamm bis zu harten Erdklumpen. Jonas und Sonja stiegen von ihren Rädern und schoben sie vorsichtig den steilen Weg hinunter. Um besseren Halt zu haben, zog Jonas seine Sandalen aus und klemmte sie zu den Gummistiefeln.
Aber dann war es auch schon passiert! Der Abhang war zu steil und Jonas musste alle seine Kraft aufwenden, damit sein Fahrrad nicht den ganzen Weg hinunter stürzte. Das Rad wurde immer schneller und Jonas konnte es kaum noch halten. Da entdeckte er ein kleines Schlammloch neben dem Weg. Mit einem Satz sprang er hinein. Der Schlamm umschloss seine nackten Füße und so hatte er genug Halt um sein Rad zum Stehen zu bekommen. Sonja blickte auf die schlammverschmierten Beine von Jonas und kicherte. Kaum hatte sich Jonas aus dem Schlammloch befreit, lag schon die nächste Hürde vor ihm: der ganze restliche Weg zum Tümpel war mit harten, spitzen Steinen übersät. Jonas überlegte einen Moment und dann hatte er eine Idee. Er nahm die blauen Seglerstiefel vom Gepäckträger und streifte sie über.
"Iiihh!", rief Sonja halb erschrocken, halb amüsiert, "mit Matschfüßen in Gummistiefel!". Jonas spürte, wie seine schlammverschmierten Füße in den Stiefeln hin und her glitschten. "Ein tolles Gefühl!", rief er, "das musst du auch probieren!". Sonja hielt diese Bemerkung für einen Scherz und schob ihr Fahrrad weiter. "Aua!", rief sie plötzlich und hielt ihren linken Fuß. Sie war auf einen der Steine getreten. Hastig holte sie ihre Gummistiefel hervor und zog sie an. Die Steine drückten die Stiefel an verschiedenen Stellen enger an ihre Füße, während sie darüber lief. Das gefiel Sonja sehr. Jonas war indessen am Tümpel angekommen. Er hatte seine Stiefel ausgezogen und wusch seine Füße. Dann tauchte er die Stiefel mehrmals ins Wasser und schüttete das schlammgelbe Wasser aus. Danach stieg er in die nassen Stiefel, die nun bei jedem Schritt ein gluckerndes und schmatzendes Geräusch von sich gaben.
Sonja und Jonas holten ihre "Forschungsinstrumente" von dem Fahrrädern und begaben sich an die Arbeit. Die beiden wateten am Rand des Tümpels entlang und sammelten und katalogisierten verschiedene Pflanzen für ihre Referat "Ökosystem Teich – Die Flora". Sie hatten schon fast alle Proben beisammen, als Sonja plötzlich ausrutschte und bis zur Hüfte im Wasser stand. "Jonas, zieh mich raus!", rief sie. Jonas packte sie an beiden Armen und zog sie ans Ufer. Dort half er Sonja, ihre mit Wasser gefüllten Gummistiefel auszuziehen. Sonja schüttete das Wasser aus und zog die Stiefel wieder an. "Oh! Das ist ein Gefühl!", sagte sie lustvoll, als ihre nackten Füße das feuchte Innenfutter der Stiefel berührten. Jonas und Sonja achteten jetzt nicht mehr auf die Höhe ihrer Stiefel sondern wateten einfach drauf los. Im null Komma nichts liefen ihre Stiefel gurgelnd mit Wasser voll.
Als sie die Arbeit für ihr Referat beendet hatten, stiegen sie aus dem Tümpel und zogen sich am Ufer gegenseitig ihre Stiefel aus. Nachdem einige Liter Wasser wieder im Tümpel gelandet waren, machten die beiden sich fertig für den Heimweg. Plötzlich zuckte ein Blitz am Himmel und eine Sekunde später ergoss sich ein sintflutartiges Sommergewitter über die beiden. Die Kiesgrube verwandelte sich sofort in ein Meer aus Schlamm und Matsch - wie ein gigantischer Schokoladenpudding sah das aus. Sonja und Jonas schnappten sich ihre Fahrräder und wollten den Weg aus der Grube hinaufrennen. Doch schon nach wenigen Metern blieb Sonja im Schlamm stecken. "Ich stecke fest!", rief sie. Jonas legte sein Rad an den Wegesrand und stapfte zurück um ihr zu helfen. Doch auch er steckte bald bis zur Hälfte seiner Stiefel im Schlamm. Aber er konnte Sonja bei den Armen greifen und so zog er mit aller Kraft, um sie aus dem Matsch zu ziehen. Das gelang ihm zwar, aber Sonjas Stiefel blieben stecken. Platsch! landete sie der Länge nach im Schlamm. Sie rappelte sich auf und betrachtete ihr total verdrecktes Kleid, das aber von dem noch immer heftig prasselnden Regen schon wieder fast sauber gewaschen war. Dann stapfte sie zurück zu ihren Stiefeln und versuchte, diese aus dem Morast zu ziehen. Zum Glück waren sie noch nicht mit Schlamm vollgelaufen und so hatte sie ihre Gummistiefel bald wieder. Jonas war inzwischen bei dem Versuch sich zu befreien in ein "kombiniertes" Schlammloch geraten und sein linker Gummistiefel war schon im Matsch versunken. Als er sein Gewicht auf den rechten Fuß verlagerte um den linken herauszuziehen, versank auch der rechte Stiefel im Dreck. Sonja stand jetzt neben ihm auf einem festen Stück Land. Sie war völlig durchnässt und mit Matsch eingeschmiert. Ihre Gummistiefel hatte sie noch nicht wieder angezogen, denn mit denen würde sie ohnehin nur sofort wieder stecken bleiben. Stattdessen krallte sie die Zehen ihrer mittlerweile kaffeebraunen Füße tief in die Erde um sicheren Halt zu haben. Dann nahm sie Jonas' Hände und zog ihn aus dem Schlammloch. Mit einem Ruck war er aus dem Morast, fiel auf sie und warf sie zu Boden. Seine Gummistiefel waren noch immer in dem Schlammloch.
Jonas kniete sich hin und wühlte mit den Händen im Schlamm, wo er die Stiefel vermutete. Und tatsächlich: bald hatte er sie gefunden. Mit aller Kraft zog er an den Stiefeln und langsam glitten sie aus dem Morast an die Oberfläche. Eigentlich handelte es sich bei den Gummistiefeln jetzt eher um zwei Matschklumpen. Trotzdem war Jonas froh, die Stiefel wieder zu haben. Insgeheim freute er sich schon auf die bevorstehende Stiefelwaschorgie, denn er war auch ein Stiefelfreund. Jonas klemmte sich die Stiefel unter den Arm und gemeinsam schoben sie ihre Räder aus der Kiesgrube. Auf dem Feldweg angekommen, stieg nun Sonja mit matschverschmierten Füßen in ihre Stiefel, während Jonas seine vorerst nicht anziehen konnte. Und Sonja musste feststellen, dass es wirklich ein geiles Gefühl war, Gummistiefel mit Schlamm darin zu tragen.
"Weißt Du", lachte sie ihn an, "hiernach würde ich am liebsten jeden Tag Gummistiefel tragen!". Jonas wurde blaß vor Erstaunen, doch dann strahlte er über das ganze Gesicht. "Laß uns zu mir fahren!", schlug er vor", dann kannst Du Dich trocknen und - ich zeige Dir meine Stiefelsammlung!". Sonja lächelte zurück und legte ihren Arm um seine Hüfte. Von nun an waren sie ein Paar - wie linker Gummistiefel und rechter Gummistiefel. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann Gummistiefeln sie noch heute!