German Story 19 Das Eigenheim I
from Muddy Boots
Für Familie Huber ging ein langersehnter Wunsch in Erfüllung. Ende März konnten Sie ihr neues Eigenheim auf dem Lande beziehen. Um an den Baukosten sparen zu können, hatten Uschi und Stefan beschlossen, den Garten selber zu bepflanzen. Mit dem Bagger wurde bis jetzt lediglich die Erde ums Haus herum grob planiert und es gab einen Weg aus Steinplatten, der ums ganze Haus führte. Der Winter war nass und auch der April schien verregnet zu werden. Deshalb sagte Uschi zu den Kindern Anke (7) und Tim (5), sie sollten doch im Haus spielen, weil es draußen viel zu dreckig war. Nach zwei Tagen im Haus hielten es die Kinder aber nicht mehr aus - sie wollten raus.
In Gummistiefeln und Regenschutz tobten sie ums Haus. Zwischendurch warf Uschi einen Blick aus dem Fenster um nach den Kindern zu sehen. Nach einer Weile hörte Uschi Anke aus dem Garten nach ihr rufen. Sie ging ans Fenster und sah die Bescherung. Tim und Anke standen in ihren Gummistiefelchen bis zum Schaftrand in der matschigen Erde. "Mama, hilf uns. Wir stecken fest!" riefen die beiden. "Moment, ich komme!" rief Uschi zurück. Sie eilte in den Keller und suchte etwas passendes an die Füße. In einer noch nicht ausgepackten Kiste fand sie ihre knöchelhohen, knallgelben Gummistiefeletten. In der Stadt hatte sie diese Stiefel jeweils bei starkem Regen angezogen. Sie schlüpfte barfuss hinein, zog sich eine Regenjacke an und stürmte in den Garten. Schon beim ersten Schritt außerhalb der Steinplatten klebte die Erde wie Leim an ihren Stiefeletten und bei jedem weiteren Schritt zog es ihr fast die Stiefel aus. Je näher sie zu den Kindern kam, desto tiefer sank sie ein und sie war noch ein ganzes Stück von ihnen entfernt, als die nasse Erde ihre oberen Stiefelränder erreichte. Sie versuchte umzukehren aber ihre Stiefeletten blieben im Morast stecken. Mit den Händen zog sie zuerst die linke Stiefelette aus dem Morast, machte einen Schritt rückwärts und zog dann noch die zweite Stiefelette raus. "Ich versuche von der anderen Seite zu euch zu kommen", beruhigte Uschi ihre Kinder und stapfte mit ihren zwei "Erdklumpen" zurück zum Plattenweg. Von dort aus versuchte sie nochmals zu Anke und Tim zu gelangen. Aber auch hier ging es nicht besser. Die Erde war klebrig wie Leim und sie hatte schon fast Plateausohlen an ihren Stiefeletten. Plötzlich gab unter einem gurgelnden Geräusch der Boden unter ihren Füssen nach und Uschi stand bis fast zu den Knien in einem Schlammloch. Ihre Stiefeletten liefen sofort voll mit der nassen Erde und durch ihre Trainingshosen wurden ihre Beine nass. Die Kinder wurden langsam unruhig. Auch Uschi war es nicht mehr ganz wohl.
"Kann ich ihnen helfen?" hörte sie plötzlich eine Stimme rufen. Aus dem Nachbarhaus schaute eine Frau. "Ich bin Frau Müller, ihre Nachbarin. Unser Garten gleicht auch noch eher einem Sumpfgebiet als einem Garten. Wir haben die gleichen Probleme nach diesem nassen Winter": Nach wenigen Augenblicken stapfte Frau Müller in ihren gelben, ca. 40 cm hohen Stiefeln auf Uschi zu. "Meine Stiefeletten hat es mir beim Versuch die Beine rauszuziehen von den Füssen gezogen. Die kann ich wohl abschreiben"; sagte Uschi. "Was haben sie denn für eine Schuhgröße?" fragte Frau Müller. "38/39", erwiderte Uschi. "Moment. Ich hole die Stiefel meiner Tochter, die müssten ihnen passen", sagte Frau Müller und stapfte zu ihrem Haus zurück. Eine Minute später kam sie mit einem Paar Gummistiefel vom gleichen Modell wie ihrem zurück. Uschi hatte sich mittlerweile aus dem Schlammloch befreien können und stand nun barfuss in der nassen Erde. "Mit so schmutzigen Füssen kann ich aber nicht in die sauberen Stiefel schlüpfen", bemerkte Uschi. "Das macht nichts - die kann man ja wieder waschen", entgegnete Frau Müller. "Außerdem haben bei uns alle zwei Paar Gummistiefel - ein Paar ist meistens am trocken, weil in diesem feuchten Gelände wieder einmal der Dreck oben reinlief und die Stiefel eine Komplettreinigung nötig hatten". Uschi schlüpfte mit ihren nackten, schlammverschmierten Füssen in die gelben Gummistiefel. Gemeinsam gingen die beiden Frauen nun auf die Kinder zu und zogen diese aus dem Sumpf.
Nachdem sie wieder festen Boden unter den Füssen hatten, zogen alle ihre schlammverschmierten Gummistiefel aus und gingen ins Haus. Dort gab es erst einmal einen heißen Tee zum Aufwärmen. Uschi bedankte sich bei Frau Müller und sagte ihr, dass sie die Stiefel nach dem Waschen zurück bringen werde. Im großen Trog im Keller wusch Uschi anschließend die gelben Stiefel von Frau Müllers Tochter und die Stiefelchen von Anke und Tim. Nachdem sie die Stiefel zurückgebracht hatte und sich nochmals bedankt hatte, fuhr sie mit den Kindern in den nahegelegenen Baumarkt und kaufte für die Kinder nochmals ein Paar Gummistiefel und für sich zwei Paar Stiefel vom gleichen Modell wie diejenigen von Müllers ...
... Fortsetzung folgt ...